Maßnahmenkarte PEPL

Ausschnitt aus der Maßnahmenkarte des PEPL - Beispiel Seemoos

Maßnahmen der Moorallianz

Wasserstandsmessung

Beispiele Anstaubauwerke

Renaturierung Seemoos

Vorgeschlagene Planung zur Renaturierung im Seemoos

WWA renaturiert Rottachmoor

Renaturierung Dümpfelmoos

Maßnahmen

nach oben

Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL)

Die Maßnahmen und Ziele des „chance.natur“-Projektes sind in einem Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) beschrieben. Für den PEPL wurde eine „Moorinventur“ durchgeführt, also eine Bestandsaufnahme (von Arten, Wasserhaushalt usw.) in den Kerngebieten. Danach wurden mögliche Maßnahmen geplant und Umsetzungsschwerpunkte festgelegt.
Der PEPL bildet demzufolge die Grundlage für Renaturierungsmaßnahmen im chance.natur-Projekt. Eine Umsetzung der einzelnen Maßnahmen kann aber erst nach Abstimmung mit allen Beteiligten in der Region (z.B. Grundeigentümer) erfolgen. Aus den Projektmitteln können Moorflächen angekauft, Wertverluste entschädigt und die Maßnahmen finanziert werden. Bei sogenannten „Moor-Tischen“ werden den Beteiligten die Planungsinhalte vorgestellt, die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt nur mit dem Einverständnis der Grundeigentümer.

nach oben

Renaturierungspotential

Für die Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans wurde eine Bestandsaufnahme der Moorflächen im Kerngebiet gemacht: 13 % davon weisen einen intakten Wasserhaushalt auf, das heißt die Flächen sind weitgehend naturnah. Bundesweit sind nur noch 1 % der Moore in einem natürlichen Zustand, dies bestätigt die hohe Bedeutung der Allgäuer Moore.
Auf 25% der Moorflächen ist das Renaturierungspotential mittel, hoch oder sehr hoch. Diese Flächen sind entwässert, können aber wieder in einen naturnahen Zustand zurückgebracht werden z.B. mit dem Schließen von Gräben. Auf insgesamt rund 1.500 ha will die Moorallianz tätig werden.
Bei einem Viertel unserer Gebietsfläche handelt es sich um Streu- und Nasswiesen. Mit einer angepassten landwirtschaftlichen Nutzung kann die Artenvielfalt darauf gefördert und bewahrt werden.

nach oben

Wiedervernässung

Viele Moore wurden für den Torfabbau entwässert. Die Spuren des Torfabbaus sind heute immer noch ablesbar anhand der Torfstichkanten, zusammengefallenen Torfstadel, Trockengestelle oder gar Schienenreste der ehemaligen Torfbahnen. Auch die Vegetation gibt Aufschluss über hydrologische Veränderungen: statt der Torfmoose dominieren Heidelbeere, Rauschbeere oder Besenheide.

Wie läuft die Wiedervernässung ab?

Für den Torfabbau in den Hochmooren wurden tiefe Entwässerungsgräben (Hauptgraben/Vorfluter) und viele kleinere Schlitzgräben angelegt. Um den Wasserhaushalt des Moores wiederherzustellen, müssen diese Gräben verschlossen werden. So kann sich das Wasser im Moor wieder halten. Dabei gibt es mehrere Aufstau-Systeme:

  • Einfacher Torfstau: Im wenig geneigten Gelände und bei geringen Stauhöhen-Differenzen können reine Torfbauwerke verwendet werden. Die Stauherstellung erfolgt mit dem Einbau von einem örtlich entnommenen, möglichst dichten Torf-Pfropfen.
  • Torfstau mit Kerndichtung: Bei größeren Stauhöhen-Differenzen wird zur Stabilisierung eine Holzkonstruktion eingebaut. Diese wird mit Torf ummantelt, damit Sie nicht an der Luft verrottet.
  • Regulierbare Staue: Zusätzlich gibt es regulierbare Staubauwerke, die nach Bedarf geöffnet werden können. Solche Anstausysteme sind besonders für bewirtschaftete Niedermoorwiesen interessant. Hierzu finden Sie Informationen unter unserem Modellprojekt Grabenmanagement.

Die natürliche Entwicklung der Moore wird mit der Optimierung des moortypischen Wasserhaushalts angeregt und stabilisiert. Die Moorkomplexe sollen sich langfristig selbst regulieren und ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher wieder aufnehmen.

 

nach oben

Aktuelle Maßnahmen

 „Seemoos bei Oy-Mittelberg“
Gebiet: Rottachmoore, Landkreis Oberallgäu


Das Seemoos gehört zu den Teilgebieten mit dem höchsten Renaturierungspotential innerhalb des Untersuchungsgebietes, also den besten Aussichten auf flächenhaftes Wiedereinsetzen der Torfbildung. Es ist im Besitz der Bayerischen Staatsforsten, einem wichtigen Partner der Moorallianz.
Ziel für das Seemoos ist die Renaturierung eines auf großer Fläche torfbildenden Regenwassermoors. Dieses soll den an diesen Lebensraum angepassten Arten ein dauerhaftes Habitat bieten und einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-Emission sowie zur Wasserrückhaltung aus Gründen des Hochwasserschutzes leisten.
Das Seemoos wurde ehemals durch zahlreiche Schlitzgräben in einem engen Abstand von 10 Metern entwässert. Alle Gräben zusammen ergeben eine Länge von 12 km! Diese Gräben sollen nun wieder aufgestaut werden, sodass sich das Wasser im Moor halten kann. Dazu werden die Gräben etwa alle 20 Meter mit einem Torf-Pfropfen verschlossen. Dort, wo die Grabenneigung zunimmt (ab ca. 1 % Gefälle) oder die Gräben breiter sind, reichen diese einfachen Bauwerke wegen des steigenden Wasserdrucks nicht mehr aus. Hier sind zusätzliche Dichtungsbauten mit Nut- und Federbrettern erforderlich. Diese Holz-Stauwehre werden dann mit Torf ummantelt, damit sie nicht frühzeitig an der Luft verrotten.

nach oben

bisherige Erfolge in der Moorrenaturierung

Im Rahmen der Allgäuer Moorallianz wurden seit 2008 bis ins Frühjahr 2011 aus den vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zur Verfügung gestellten Mitteln für „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ (kurz KLIP-Mittel) bereits rund 1 Mio EUR für den Moorschutz investiert. Rund 60 ha Hoch- und Niedermoorflächen wurden zur Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen angekauft. Auf rund 150 ha Fläche haben die Landschaftspflege- und Naturschutzverbände sowie die Landkreise Entbuschungen, Anstaumaßnahmen und biotoppflegende Maßnahmen umgesetzt. Im Anschluss an die erste Förderperiode wurden auch für die Folgejahre ab 2012 Fördermittel investiert und weiterhin in Aussicht gestellt.


Beispiel "Schwindenmoos" und "Heggener Filz"
Gebiet: Moore im Geltnachtal, Landkreis Ostallgäu


Ein Schwerpunktgebiet für die Moorrenaturierung sind die Moore im Geltnachtal und die Stöttener Moore. In den vergangenen Jahren erfolgten auf Moorflächen der Stadt Marktoberdorf im „Schwindenmoos" über den Landschaftspflegeverband Ostallgäu schrittweise Moorfreistellungen und Anstaumaßnahmen. Ergänzend zu den Renaturierungsmaßnahmen im Hochmoor engagiert sich die Stadt Marktoberdorf über ihr Ökokonto in der Extensivierung von Teilbereichen des Niedermoorgürtels. Ziel ist es, hier eine angepasste Moorbeweidung zu etablieren.
Im benachbarten „Heggener Filz“ wurden Entwässerungsgräben in ehemaligen Torfstichflächen geschlossen und der Hochmoorkern aufgelichtet und freigestellt. Die Umsetzungsfläche wurde inzwischen vom Landkreis Ostallgäu für die langfristige Sicherung der Renaturierungsmaßnahmen angekauft.
Die Geltnachmoore beherbergen eine bemerkenswerte Vielfalt an landesweit und überregional bedeutsamer Tier- und Pflanzenarten. Beispielhaft können hier einige Schmetterlinge genannt werden, die – wie ihr Name bereits sagt – auf einen intakten Moorlebensraum angewiesen sind: Hochmoor-Gelbling, Hochmoor-Bläuling, Hochmoor-Perlmuttfalter und Moor-Wiesenvögelchen.


Beispiel "Dümpfelmoos"
Gebiet: Moore im Elbseegebiet, Landkreis Ostallgäu


Bereits seit 2007 bemüht sich die Ortsgruppe Marktoberdorf des Bund Naturschutz in Bayern e. V. um den Ankauf und die Renaturierung von Moorgrundstücken im Dümpfelmoos. Die Aktivitäten der freiwilligen Helfer und Mitglieder aus Geisenried und Marktoberdorf wurden finanziell über das Bayerische Klimaprogramm (KLIP2020) unterstützt.
Die Erfolge der Maßnahmen sind deutlich sichtbar. Neuer Lebensraum für hochmoortypische Pflanzen und Tiere wie z. B. das Breitblättrige Wollgras, die Moosbeere, die seltene Libellenart Torf-Mosaikjungfer oder auch für die Kreuzotter wurde geschaffen. Das Torfmooswachstum hat wieder eingesetzt, somit leisten die Hochmoore im Dümpfelmoos als Kohlenstoffsenke einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.