Die Allgäuer Moore - Landschaften voller Leben

In den Kerngebieten des Projektgebiets findet sich eine beachtliche Bandbreite unterschiedlicher Lebensraumtypen. Naturnahe oder durch extensive Nutzung entstandene Vegetationsbestände sind teilweise noch großräumig und landschaftsprägend erhalten geblieben. 

 

nach oben

Hoch- und Übergangsmoore

Hochmoore sind in ihrem Wasserhaushalt nur vom Regenwasser gespeist. Neben den offenen, von Natur aus baumfreien Hochmooren sind für das Allgäu locker mit Spirken bestandene Moorwälder typisch. Diese sogenannten Spirkenfilze sind am nördlichen Alpenrand auf das Allgäu konzentriert; Verbreitungsschwerpunkte sind Wirlinger Wald, Kempter Wald und Sulzschneider Forst.

 

Übergangsmoore stehen noch unter dem Einfluss von Grundwasser – und sind Lebensräume von zahlreichen hochgradig gefährdeten, in Mitteleuropa sonst kaum noch vorkommenden Arten wie Strickwurzelsegge (Carex chordorrhiza), Torf-Segge (Carex heleonastes) oder Schlankem Wollgras (Eriophorum gracile).

 

Viele Moorflächen wurden entwässert und als Torfstich genutzt; dadurch wird die Kohlenstoffsenke Moor zur CO2-Quelle. Auf trockenen Mooren wachsen Calluna-Heiden, Rauschbeer- und Pfeifengras-Bestände und Moorwälder. Hier bietet sich aus Sicht des Artenschutzes ein großes Optimierungspotenzial, z. B. durch Wiedervernässung von alten Torfstichen.

 

nach oben

Streu- und Nasswiesen

Im Umfeld der Moorkerne finden sich oft noch artenreiche „Blumenwiesen“. Streuwiesen werden nicht gedüngt und nur einmal im Herbst gemäht. Das Mähgut wird im Stall eingestreut. Die Streue erfreut sich großer Nachfrage, weil Stroh immer knapper und teurer wird.


Nasswiesen werden zwei oder drei Mal gemäht und nur wenig gedüngt.
Zahlreiche gefährdete, in Mitteleuropa stark rückläufige und vielen Naturräumen Deutschlands heute nicht mehr anzutreffende Arten leben in diesen extensiv genutzten Wiesen. Das Spektrum der Lebensgemeinschaften reicht von schwachwüchsigen Kleinseggenrieden über artenreiche Pfeifengras- und Nasswiesen bis zu sehr nassen Verlandungsmooren mit Faden- oder Steifsegge. Die Pflanzenvielfalt wird vom Basengehalt des Grundwassers geprägt.

 

nach oben

Wälder im Umfeld der Moore

Die natürlichen Waldgesellschaften sind im Alpenvorland Mischwälder aus Buche, Tanne und Fichte. In Kaltluftlagen am Rand der Moore treten Fichten-Moorwälder auf, die jedoch oft durch Entwässerung gefördert wurden.

 

nach oben

Allmendweiden

Eine weitere regionale Besonderheit sind die „Allmend-Moorweiden“; in diese, seit dem Mittelalter existierenden Gemeinschaftsweiden (Allmenden) wurden häufig auch Waldflächen einbezogen. Als Folge entstanden in diesen Gebieten lichte Waldbestände mit Magerrasenarten. Beispiele dafür sind Hutewälder am Bannwaldsee im Bereich der „Mühlberger Viehweide“. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden viele Allmenden aufgelöst; heute sind nur noch wenige Waldweiderechte vorhanden. Die Ostallgäuer Allmendweide-Region bildet, zusammen mit der Ammergauer Allmendweide-Region, das deutschlandweite Schwerpunktgebiet artenreicher Moorweiden.