Die Allgäuer Moorallianz - mit vereinten Kräften für den Moorschutz

Aktuelles
  • Klimaaktionswoche Ostallgäu
  • 360° Seemoos-Panorama
  • Baumaßnahmen in 2020 und 2021
  • Die Moorallianz auf Climate-ADAPT
Klimaaktionswoche Ostallgäu

Seit 2008 veranstalten die Partner der Bayerischen Klima-Allianz die "Bayerische Klimawoche". Durch diverse Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Umweltschutz können sich verschiedene Zielgruppen mit dieser wichtigen Thematik auseinandersetzen und ihr Bewusstsein für nachhaltiges und klimaschonendes Handeln stärken. Dieses Jahr findet die Aktionswoche im Rahmen des Projektes "Regionale Klima-Aktionswochen" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz im Ostallgäu statt (8. - 17.10.2021).

 

Sollten Sie wieder einmal die Lust auf einen Theaterabend verspüren, dann besuchen Sie doch das Stück „Moorgaukler“, welches in Regie durch Monika Schubert von Schülern und Schülerinnen  der Theater- und Tanzschule Mobile vorgeführt wird. Bei Interesse an einem etwas interaktiveren Abend empfiehlt sich ein Besuch in der Filmburg Marktoberdorf zum Diskussionsabend „Geschichte und Geschichten von Moor“. Moderiert durch Frau Schubert  werden Ihnen hier Biolog*innen, Künstler*innen und viele weitere Expert*innen das Thema „Moor“ in spannenden Präsentationen und Diashows näherbringen.

 

Auch die Moorallianz ist mit einigen Aktionen vertreten. Unsere Führung „Fokus Moorschutz" durch das renaturierte Schwindenmoos soll Ihnen einen Blick hinter die Kulissen unserer Projektarbeit gewähren. Außerdem informieren Sie unsere Moorführer Otto Schrägle und Walter Sirch über torffreie Planzenerde auf unserem Informationsstand am Marktoberdorfer Wochenmarkt. Es werden zudem diverse geleitete Moorexkursionen durch unsere Moorführer angeboten. Alle Details zu den Veranstaltungen finden Sie im Programmheft unter www.klimawoche-ostallgaeu.de oder hier zum Download. 

360° Seemoos-Panorama

Nicht immer lädt das allgäuer Wetter zu einem ausgiebigen Spaziergang im Moor ein. Sollten Sie sich trotz Schmuddelwetter nach ruhigen Momenten in der Natur sehnen, dann schauen Sie sich doch gerne einmal unser neues 360° Seemoos-Panorama an! Unter diesem Link können Sie ab sofort einen virtuellen Spaziergang durch das Seemoos machen und einiges über seine Moorbewohner lernen. Neben Hochmoor-Gelbling, Sonnentau und Co. wird Ihnen dort auch die Nutzungsgeschichte des Moorgebiets vorgestellt.

 

3D-Panoramatour Seemoos
Baumaßnahmen in 2020 und 2021

Erfreulicherweise konnte die Allgäuer Moorallianz auch in den vergangenen zwei Jahren einige Erfolge für den Moorschutz erzielen. Dazu gehört beispielsweise der Abschluss der Renaturierungsarbeiten im Heggener Moos bei Stötten am Auerberg in 2020. Auf rund 6 ha konnte hier das systematisch angelegte Entwässerungsnetz mit Spundwanddämmen verschlossen und unwirksam gemacht werden. Schon jetzt haben sich einige Torfentnahmestellen mit Wasser gefüllt. Das stimmt uns zuversichtlich und zeigt, dass das Heggener Moos seine Funktion als Wasser- und Kohlenstoffspeicher sowie Lebensraum für seltene Arten wiederaufnehmen kann.

Unweit des Heggener Moos wurden nun auch die Bauarbeiten im Schwindenmoos (Stadtgebiet Marktoberdorf) abgeschlossen. Hier wurden zu Beginn des Klimaprogramms Bayern (jetzt KliP 2050) schon in den Jahren 2009 und 2010 Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Das vorhandene Dammsystem wurde 2021 maßgeblich ergänzt und ertüchtigt.

Alte Schienen zeugen vom historischen Torfabbau im Heggener Torfwerk.
Die Moorallianz auf Climate-ADAPT

Auf Climate-ADAPT, einer Plattform der Europäischen Kommission und der Europäischen Umweltagentur zum Thema Anpassung an den Klimawandel, wurde nun auch die Allgäuer Moorallianz portraitiert. Durch das Zusammentragen von Informationen über die Klimaanpassungsstrategien verschiedener Projekte sollen der Austausch zwischen bereits aktiven Akteuren verbessert und Informationsgrundlagen für neue Akteure geschaffen werden. Der Fokus von Climate-ADAPT liegt auf folgenden Themen

  • Der in Europa zu erwartende Klimawandel
  • Die Anfälligkeit von Regionen und von verschiedenen Teilen unserer Gesellschaft
  • Anpassungsstrategien und Aktivitäten auf nationaler, transnationaler und EU-Ebene
  • Fallstudien zur Anpassung an den Klimawandel
  • Werkzeuge zur Planung der Anpassungsaktivitäten

Allgemeine Informationen über das Climate- ADAPT–Projekt finden Sie unter:
climate-adapt.eea.europa.eu/about

Die Fallstudie zum Projekt Allgäuer Moorallianz ist einsehbar unter:
climate-adapt.eea.europa.eu/metadata/case-studies/moor-protection-in-the-allgau-region-germany-through-a-stakeholder-based-approach

Das Projekt

Die Allgäuer Moorallianz ist ein Naturschutzgroßprojekt. Das Ziel von Naturschutzgroßprojekten ist es, bundesweit bedeutsame Landschaften und Lebensräume zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten. Unsere Mission ist der Schutz und Erhalt der Biodiversität in den Allgäuer Moorlandschaften, allerdings tragen wir mit unseren zahlreichen Moorschutzmaßnahmen auch zum Klima- und Hochwasserschutz bei. Unser Projekt wird bis 2022 im Rahmen des Programms „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.

 

Mit den Mooren im Alpenvorland steht viel auf dem Spiel: die Schönheit und Vielfalt unserer Allgäuer Landschaft mit ihrem Reichtum an farbenprächtigen Pflanzen und seltenen Tierarten, aber auch die bedeutenden ökologischen Leistungen im Natur- und Wasserhaushalt und im Klimaschutz.

 

Schon im Jahr 2007 haben die Landkreise Ober- und Ostallgäu die Bedeutung und Schutzwürdigkeit der Allgäuer Moore erkannt. Finanziert mit diversen Fördertöpfen wie LEADER oder dem Klimapro-gramm Bayern 2020 wurden in Folge bereits einige Moorschutzmaßnahmen durch die Arbeitsgemeinschaft „Allgäuer Moorallianz“ zwischen Landkreisen, Städten und Verbänden verwirklicht. Aus dem Bundeswettbewerb „idee.natur“ ging die Allgäuer Moorallianz als einer der fünf Sieger hervor. Zur Umsetzung des Projektes gründeten die Landkreise Ostallgäu und Oberallgäu schließlich den Zweckverband „Allgäuer Moorallianz“. Seit der Auszeichnung und dem Beginn der Förderung im Jahr 2009 über den Fördertitel „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ (Naturschutzgroßprojekte) des Bundesumweltministeriums wird das Naturschutzgroßprojekt bis 2022 mit Mitteln von insgesamt 8,4 Mio. € ausgestattet. Davon tragen 75% der Bund, 15% das Land und 10% der Träger (die Landkreise Ost- und Oberallgäu).

 

Das Projektgebiet des chance.natur-Projekts beschränkt sich auf die Moore im Alpenvorland zwischen Iller und Lech. 186.667 ha erstrecken sich über 40 Gemeinden der Landkreise Oberallgäu und Ostallgäu. In diesem Raum wurde in einem Teilprojekt („Ländliche Entwicklung“) bis 2016 die Regionalentwicklung tätig. 14.245 ha Moorlandschaften bilden innerhalb dieser Kulisse die fünf Kerngebiete für den Natur- und Moorschutz:

  • Moore zwischen Wertach und Lech (Sulzschneider Moore, Weihermoos, Moore um Nesselwang, Seeg, Pfronten)

  • Moore im Kempter Wald

  • Moore im Elbsee-Gebiet

  • Moore um den Bannwaldsee und Birnbaumer Filz

  • Moore im Wirlinger Wald

 

Unter geomorphologischen Aspekten umfasst das Projektgebiet drei Zonen der Moorgenese: am unmittelbaren Alpenrand die Zone der Beckenmoore mit ausgeprägten Verlandungsmooren, daran anschließend die Grundmoränen-Moore, die überwiegend aus Versumpfung hervorgegangen sind und nördlich davon wieder eine Zone mit Gletscherbecken bzw. -furchen, in denen Moore überwiegend durch Seenverlandung entstanden sind. Diese Grundtypen werden im Einflussbereich der Molasse und kalkreicher Sedimente von Quellaustritten mit meist kleinflächigen „Kalk-Quellmooren“ überprägt.

 

Die Maßnahmen und Ziele unseres „chance.natur“-Projektes sind in einem Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) beschrieben. Für den PEPL wurde eine „Moorinventur“ durchgeführt, also eine Bestandsaufnahme (von Arten, Wasserhaushalt usw.) in den Kerngebieten. Danach wurden mögliche Maßnahmen geplant und Umsetzungsschwerpunkte festgelegt.
Der PEPL bildet demzufolge die Grundlage für Renaturierungsmaßnahmen im chance.natur-Projekt. Eine Umsetzung der einzelnen Maßnahmen kann aber erst nach Abstimmung mit allen Beteiligten in der Region (z.B. Grundeigentümer) erfolgen. Aus den Projektmitteln können Moorflächen angekauft, Wertverluste entschädigt und die Maßnahmen finanziert werden. Bei sogenannten „Moor-Tischen“ werden den Beteiligten die Planungsinhalte vorgestellt, die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt nur mit dem Einverständnis der Grundeigentümer.

Förderer des Naturschutzgroßprojekts
Fördergebiete des Zweckverbands
Projektziele

Die wichtigsten Ziele und Handlungsschwerpunkte der Allgäuer Moorallianz sind:

  • Naturnahe Moore und Wälder erhalten und optimieren
  • Torf bildende Moore fördern – den Wasserhaushalt sanieren
  • Bedingt naturnahe Offenland-Lebensräume erhalten
  • Extensivgrünland erhalten und optimieren

Im Wandel der Zeit hat sich die Bedeutung der Moorlandschaften für den Menschen verändert. Mit großem Aufwand und viel Handarbeit wurden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die „nutzlosen“ Moore „kultiviert“, um die spärlichen Erträge der Landwirtschaft zu steigern oder Torf als wichtigen Brennstoff zu gewinnen. Heute erkennen wir, dass viele Veränderungen in der Allgäuer Landschaft erhebliche Schäden im Naturhaushalt hinterlassen haben. Der Wert intakter Moorlandschaften wird heute an ihren ökologischen Leistungen unter den Bedingungen des Klimawandels gemessen:

 

Moorschutz als Beitrag zum Klima- und Hochwasserschutz

Intakte Moore konservieren Kohlenstoff in Form von Torf. Wachsende Moore entziehen der Atmosphäre das klimawirksame Kohlendioxid und lagern es dauerhaft ein. Ein großer Teil unserer Moore ist jedoch erheblich beeinträchtigt. Umso größere Bedeutung kommt daher dem Erhalt der noch intakten Moorkerne zu. Entwässerte Moore sollen wiedervernässt werden, damit die Torfzersetzung gestoppt und Torfwachstum gefördert wird. Moore binden Wasser wie ein riesiger Schwamm in der Landschaft und wirken so als natürliche Wasserrückhaltegebiete. Sie tragen dazu bei, dass Hochwasserspitzen abgepuffert werden. 

 

Moorschutz als Beitrag zum Artenschutz und zur Sicherung der Landwirtschaft

In den Allgäuer Mooren kommen zahlreiche hochgradig gefährdete Tier- und Pflanzenarten vor. Die Höhenverbreitung der Moore vom Tal bis in die Gipfellagen bietet den spezialisierten Moorarten selbst unter den erwarteten Klimaänderungen eine Chance zu überleben. Ein Großteil der Niedermoore liegt allerdings brach und verbuscht zunehmend. Wichtige Ziele sind daher, die landwirtschaftliche Nutzung der Streuwiesen und das Umfeld der Moore zu erhalten, Streuverwertung in Betrieben zu fördern (Streubörse) und Landschaftspflege als zusätzliches Standbein für interessierte Landwirte weiter auszubauen.

 

Moorschutz als wichtiger Beitrag für das Image des Allgäus

Moore und insbesondere die blütenreichen Streuwiesen prägen das charakteristische Landschaftsbild des Allgäuer Alpenvorlandes als vielfältige Erholungs- und Urlaubsdestination. Einheimischen wie Gästen soll daher die Faszination der Moorlandschaften vermittelt werden, ob über ein Moorerlebnis „indoor“ bei einem Besuch unserer Wanderausstellung oder draußen in der Natur.

In natürlichen Mooren wird Kohlendioxid (CO2) gebunden
Mitmachen und Erleben

In den Allgäuer Mooren gibt es so einiges zu entdecken und erkunden.

Dabei können Sie sich auf einer geführen Exkursion durch die sagenumwobenen Landschaften begleiten lassen oder auf einer Wanderung den einen oder anderen Moorbewohner entdecken. 

Moorkalender

Die Moor-Erlebnisführerinnen und Moor-Erlebnisführer der Allgäuer Moorallianz heißen Sie im wunderschönen Allgäu herzlich willkommen. Erleben Sie mit uns Moorexperten die versteckten und spannenden Winkel der Allgäuer Moore. Lassen Sie sich von geheimnisvollen Märchen und interessanten Tier- und Pflanzenarten verzaubern, und genießen Sie die Zeit im Moos. Erfahren Sie von Einheimischen Kultur und Geschichte der Urlaubsregion Allgäu aus erster Hand. Erleben Sie die regionale Küche mit heimischen Spezialitäten und probieren Sie Allgäuer Milch und Käs‘. Unsere zertifizierten Moor-ErlebnisführerInnen begleiten Sie auf Moor-Erlebniswanderwegen und Radtouren quer durchs Allgäu. Hier erfahren Sie mehr.

 

Alle Moorführungen finden Sie auf unserem Moorkalender. 

 

Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).

Moor-Wandern

Sechs unterschiedliche Moorwelten hat die Allgäuer Moorallianz seit 2014 für Naturliebhaber, Abenteurer und Wanderer erlebbar gemacht. Das Naturschauspiel wird hier mit viel Liebe zum Detail sichtbar, Geheimnisse um das Moor gelüftet und auch die ein oder andere mystische Sage erzählt. Zu den Moorwelten Allgäu ist nun eine detaillierte Wanderbroschüre mit allen Infos, Landkarten und Wegbeschreibungen erschienen. Die Wanderungen variieren zwischen einer bis zu vier Stunden, auch Fahrradtouren, Einkehrmöglichkeiten und Badeplätze werden beschrieben.

 

Jede Moorwelt für sich hat etwas Besonderes zu bieten und lädt Naturinteressierte, Familien und Kinder zu Erkundungen ein. Hier erfahren Sie mehr. 

 

Moorkoffer

Mit dem Moorkoffer werden Schulexkursionen in der Natur zum spannenden Erlebnis. Der Koffer beinhaltet Material zum Experimentieren und Spielen. Zusätzlich steht eine Werkzeugkiste mit Astscheren und Sägen für den Praxiseinsatz z. B. im Rahmen eines Mooraktionstages bereit. Die Koffer stehen in den Landkreisen Ober- und Ostallgäu sowie Lindau (Bodensee) und den kreisfreien Städten Kempten und Kaufbeuren bereit und können im Zusammenhang mit einer Führung oder einer Moorschutzaktion ausgeliehen werden. Kompetente Begleitung und fachliche Unterstützung beim Erlebnis im Moor oder einer vorbereitenden Schulstunde bieten einige unserer Moorführer*innen. 

 

Der Moorkoffer ist als Teil des LEADER-Projekts „Allgäuer Moorallianz – begleitende Öffentlichkeitsarbeit“ entstanden. Projektträger waren die Landschaftspflegeverbände Ost- und Oberallgäu und der Landkreis Lindau.